QR-Code für den Digitalen Produktpass: Größe, Platz und Beschriftung
Für QR-Codes nach GS1 Digital Link nennt GS1 eine Modulgröße von mindestens 0,396 mm, mit Ruhezone ist ein typischer Code damit knapp 15 mm breit. Auf Kleidung, die gewaschen wird, plan mehr ein. In einer Studie der TU Kaunas blieb Sublimationsdruck ab 20 mm lesbar. Neben den Code gehört ein Satz, der sagt, was man bekommt. Wo er sitzen muss, legt am Ende der Rechtsakt der jeweiligen Produktgruppe fest. Wie Marken den Pass heute ans Produkt bringen, zeigen die 20 Wege mit Beispielen.
Sechs Regeln für einen Code, der gescannt wird
Gibt der Rechtsakt Ort, Größe oder Gestaltung vor, gilt der Rechtsakt. Für alles, was er offen lässt, helfen diese sechs Regeln.
1. Platz. Der Code steht dort, wo Kunden hinschauen, wenn sie die Information brauchen. Neben dem Strichcode für die Kasse sucht ihn niemand. Wo Marken ihn heute setzen, zeigt die Übersicht je Produktart.
2. Größe. Für Datenträger gibt es seit Juli 2026 eine harmonisierte europäische Norm, die EN 18220. Laut ihrer Kurzbeschreibung regelt sie unter anderem Druckqualität und Haltbarkeit. Konkrete Mindestgrößen nennen wir hier nach den Vorgaben von GS1. Für QR-Codes nach GS1 Digital Link auf Verbraucherprodukten nennt GS1 eine Modulgröße von mindestens 0,396 mm, Zielwert 0,495 mm. Ein Code mit 29 mal 29 Modulen ist in Mindestgröße mit Ruhezone etwa 14,65 mm breit (GS1 UK). Für Codes, die man aus Abstand scannt, etwa im Regal oder auf einem Plakat, gibt es eine verbreitete Faustregel aus der Praxis, keine Norm: Kantenlänge etwa ein Zehntel des Abstands, also 10 cm für einen Meter. Die Untergrenze nach GS1 gilt dabei weiter. Für Textilien siehe Waschfest und haltbar.
3. Ruhezone. Rund um den Code bleibt ein freier Rand von vier Modulen, so hell wie die hellen Module. Text, Linien oder die Etikettkante gehören nicht hinein (ISO/IEC 18004).
4. Kontrast. Dunkle Module auf hellem Grund. Helle Codes auf dunklem Grund liest nicht jedes Handy. Wenn deine Marke dunkel ist, setz den Code auf ein helles Feld. Bei Batterien verlangt die Batterieverordnung ausdrücklich hohen Kontrast (Anhang VI Teil C).
5. Beschriftung. Schreib neben den Code, was man bekommt, siehe Was am Code steht. Setz die Adresse zusätzlich kurz als Text daneben, für alle, die nicht scannen können.
6. Haltbarkeit. Teste deinen Code nach Wäschen, Abrieb und Sonne, bevor du die Serie bestellst. Mehr dazu unter Waschfest und haltbar.
QR-Code, NFC oder RFID: was zu welchem Produkt passt
| QR-Code | NFC | RFID | |
|---|---|---|---|
| Was es ist | gedrucktes, gewebtes oder graviertes Muster | kleiner Chip, den das Handy aus wenigen Zentimetern liest | Chip, den spezielle Lesegeräte auch aus Abstand lesen |
| Mit dem Handy lesbar | mit jeder Kamera | ja, wenn man weiß, wo man das Handy hinhalten muss | mit den meisten Handys nicht |
| Kosten und Aufwand | kein Chip, es kostet vor allem die Umstellung der Druckvorlage | ein Chip je Stück und ein sichtbares Zeichen | ein Chip je Stück und Lesegeräte |
| Beispiele | Garcia, Lindex, bonprix | C.P. Company, Zegna, Coachtopia | Hessnatur und On, jeweils mit QR-Code |
Den QR-Code kennt jeder, und jede Handykamera liest ihn. Für Kunden ist er deshalb der naheliegende Weg. Ein Datenträger ist nach der EU-Ökodesign-Verordnung ein Strichcode, ein 2D-Code wie der QR-Code oder ein anderes Medium, das ein Gerät lesen kann. NFC und RFID fallen grundsätzlich auch darunter (Art. 2 Nr. 29 ESPR). Batterien und Spielzeug setzen auf einen sichtbaren Datenträger, bei Batterien ausdrücklich auf den QR-Code (BattVO Art. 13 Abs. 6). NFC und RFID als einziger Zugang passen nach unserer Lesart schlecht zu einem „einfachen“ Zugang. Neben dem QR-Code gibt es andere 2D-Codes. Bvlgari graviert zum Beispiel einen Data-Matrix-Code in den Gehäuseboden.
Was ein Pass insgesamt kostet, rechnet der Artikel Was kostet ein Digitaler Produktpass? durch. Teuer wird ein Code vor allem, wenn du Etiketten außerhalb der normalen Druckzyklen neu auflegen musst.
Wo der Code je Produktart sitzt
Coachtopia und Zegna legen den Ort je Produktart fest. Die Übersicht zeigt, wo Marken den Code heute setzen, mit Beispiel.
| Produktart | Wo Marken ihn heute setzen | Beispiel |
|---|---|---|
| Shirts, Strick, Pullover | Pflegeetikett, rechter Saum mit NFC, Hangtag plus gewebtes Etikett | Lindex, Garcia, Zegna, bonprix |
| Jacken | linke Innentasche, Abzeichen, Ärmeltasche | Zegna, C.P. Company, Rochambeau |
| Jeans und Röcke | Bund, Hangtag plus gewebtes Etikett | Coachtopia, bonprix |
| Schuhe | Sohle, Zunge, eingebettet | Coachtopia, adidas, On |
| Taschen | Leder-Anhänger, innen in der Tasche, Anhänger im Laden | Coachtopia, Mugler, Mashu |
| Kleinleder und Taschenanhänger | Rückseite | Coachtopia |
| Hüte | unter dem Etikett links | Zegna |
| Uhren | Gehäuseboden, elektronische Garantiekarte | Bvlgari, Breitling |
| Möbel | unter dem Polster, ein Code je Sofa | Fritz Hansen, Ligne Roset |
| Akkus | auf dem Akkupack, im Türrahmen des Autos | Tenways, Volvo (laut Anbieter) |
| Lebensmittel | Packung, Umverpackung, Speisekarte | Nespresso, Mondelēz, Austral Fisheries |
| Kosmetik | Link in der Bestellbestätigung | Ulé |
| Haushaltsgeräte | am Gerät | Fnac Darty |
| Spielzeug | ab 1. August 2030 am Spielzeug oder an einem angebrachten Etikett. Verpackung oder Begleitunterlagen nur, wenn Größe oder Beschaffenheit es nicht erlauben (Spielzeug-VO Art. 19 Abs. 7) | Regel, noch kein Beispiel einer Marke |
Die Beispiele stammen aus öffentlichen Quellen. Die genannten Marken haben an diesem Artikel nicht mitgewirkt.
Was am Code steht
Was neben dem Code steht, zeigen die wenigsten Quellen. Diese Beschriftungen sind belegt:
- bonprix, Circular Collection: Auf einem Pressefoto steht am Etikett neben dem Code „SCAN ME, / WEAR. CARE. / RECYCLE“ (bonprix, 03.04.2025).
- Monobi: Auf dem NFC-Tag steht nur der Markenname (Foto im Blog, 16.11.2023).
- Coachtopia: Ein eigenes Symbol, das „connected cloud emblem“, zeigt, wo der Chip sitzt. Die Website erklärt, dass man das Handy daran hält, bis ein Fenster erscheint.
- Nike: das NikeConnect-Logo am Jock Tag (9to5Mac, 16.09.2017).
- Erreà: Charge und Produktcode stehen auf dem Etikett, für alle, die nicht scannen (Erreà).
Auf Websites und in Shops stehen Sätze wie „OUR GARMENTS HAVE A STORY TO TELL“ (Save The Duck) oder „simply scan and send it back“ (ein Shop mit Shirts von Teemill), am Etikett haben wir sie nicht gefunden. Den Satz „Scan to discover“ haben wir auf keinem echten Produkt gefunden.
Unsere Vorschläge, aus der Praxis nicht belegt: „Pflege und Material“, „Woher die Wolle kommt“, „Reparatur und Ersatzteile“, „Bevor du mich trägst, lern mich kennen“. Sie nennen einen Nutzen. Die Beschriftung ist frei, solange der Rechtsakt nichts vorgibt. Bei Wasch- und Reinigungsmitteln ist ein Hinweis wie „Für umfassendere Informationen über das Produkt bitte scannen“ vorgeschrieben (Detergenzien-VO Art. 21 Abs. 4). Einen freiwilligen Pass beschriftest du nicht als „EU-Produktpass“.
Waschfest und haltbar
Wie lange der Pass verfügbar bleibt, legt der Rechtsakt fest, mindestens so lange, wie das Produkt voraussichtlich hält (Art. 9 Abs. 2 Buchst. i ESPR). Wie lange der Code selbst halten muss, steht nicht in der ESPR. Bei Batterien muss er mit gängigen Geräten lesbar sein, bei Waschmitteln unverwischbar.
Für Kleidung gibt es eine Studie der TU Kaunas. Sie hat gedruckte Codes nach Haushaltswäschen geprüft. Sublimationsdruck blieb ab 20 mm Kantenlänge lesbar, Transferdruck war zwischen 30 und 50 mm voll lesbar. Gestickte Codes schnitten schlechter ab als gedruckte, 10 mm waren nicht verlässlich lesbar. Getestet wurde ein Strickstoff, Webetiketten waren nicht dabei. Gewebte Codes sind gröber als gedruckte, weil die Fäden die Auflösung begrenzen. Bei NFC-Patches und Chips erfragst du die Waschfestigkeit beim Hersteller.
Teste deinen Code nach Wäschen, Abrieb und Sonne, bevor du die Serie bestellst. Versprich nichts, was du nicht belegen kannst, etwa „hält ein Leben lang“.
2D-Codes an der Kasse bis Ende 2027
Unabhängig vom Pass kommt der 2D-Code an die Kasse. GS1 hat sich zum Ziel gesetzt, dass der Handel bis Ende 2027 an der Kasse 2D-Codes lesen kann, also QR-Codes mit GS1 Digital Link und GS1 DataMatrix (GS1, 23.01.2023). Der EAN-Strichcode bleibt daneben bestehen. Ab 2028 entscheidet der Markeninhaber, welchen Code er druckt (GS1 Germany, Fragen und Antworten). Ein QR-Code nach GS1 Digital Link enthält die GTIN, eine Kasse mit 2D-Leser kann ihn also auch lesen. Was im Code steht, erklärt die Seite GS1 Digital Link.
Häufige Fragen
Wie groß muss der QR-Code sein? Für QR-Codes nach GS1 Digital Link nennt GS1 eine Modulgröße von mindestens 0,396 mm. Ein typischer Code ist damit mit Ruhezone knapp 15 mm breit. Mapasso empfiehlt im Druck mindestens 20 mm Kantenlänge. Gibt der Rechtsakt deiner Produktgruppe eine Größe vor, gilt die.
Hält ein QR-Code auf Kleidung die Wäsche aus? Das hängt vom Verfahren ab. In einer Studie der TU Kaunas blieb Sublimationsdruck ab 20 mm lesbar, Transferdruck zwischen 30 und 50 mm. Gestickte Codes schnitten schlechter ab als gedruckte. Getestet wurde ein Strickstoff, deshalb lohnt sich ein eigener Test mit deinem Material und deinem Waschprogramm.
Reicht ein QR-Code auf dem Hangtag? Das legt der Rechtsakt der Produktgruppe fest. Für Textilien gibt es ihn noch nicht, also ist dazu nichts festgelegt. Die JRC-Studie der EU-Kommission empfiehlt für das Sortieren von Alttextilien einen Datenträger, der dauerhaft am Kleidungsstück bleibt. bonprix setzt den Code auf Hangtag und Etikett. Plan den Hangtag als Zusatz zu einem Code am Produkt.
Brauche ich für jedes Stück einen eigenen Code? Das legt der Rechtsakt fest. Er bestimmt, ob der Pass für ein Modell, eine Charge oder jedes einzelne Stück gilt (Art. 9 Abs. 2 Buchst. d ESPR). Für Textilien ist das noch offen. Chinti & Parker gibt schon heute jedem Strickteil einen eigenen Code, Ligne Roset jedem Sofa. Einen Code je Modell druckst du mit der normalen Etikettenauflage. Fortlaufend nummerierte Codes je Stück brauchen einen Druck mit wechselnden Daten.
Brauche ich NFC? Nein. Ein QR-Code liest jedes Handy, und die meisten Marken in unserer Sammlung nutzen ihn. NFC kann eine Ergänzung sein, braucht aber ein sichtbares Zeichen, damit Kunden den Chip finden.
Was passiert mit gedruckten Codes, wenn sich die Daten ändern? Nichts. Der Code enthält nur die Adresse des Passes, nicht die Daten selbst. Änderst du den Pass, zeigt derselbe Code den neuen Stand. Wie das funktioniert, steht unter GS1 Digital Link.
Quellen (33)
Abgerufen am 20.10.2026. „Laut Anbieter“ heißt: Fallstudie eines Technologieanbieters. Die genannten Marken haben an diesem Artikel nicht mitgewirkt.
- Maße: GS1 UK, ISO/IEC 18004, EN 18220, Kurzbeschreibung (Normtext nicht eingesehen), Scanova, Faustregel
- Waschtest: Kaunas University of Technology, Masterarbeit 2026
- Textilien: JRC-Studie, 13.05.2026
- 2D an der Kasse: GS1, 23.01.2023, GS1 Germany, Fragen und Antworten
- Lindex
- Garcia
- Zegna
- bonprix Circular Collection: bonprix
- C.P. Company
- Rochambeau
- Coachtopia
- bonprix Denim: bonprix
- adidas
- On
- Mugler
- Mashu
- Bvlgari
- Breitling
- Fritz Hansen
- Ligne Roset
- Tenways
- Volvo (laut Anbieter)
- Nespresso
- Mondelēz
- Austral Fisheries
- Ulé
- Fnac Darty
- Monobi: Foto im Blog, 16.11.2023
- Nike: 9to5Mac, 16.09.2017
- Erreà
- Save The Duck
- ein Shop mit Shirts von Teemill
- Recht: ESPR (EU) 2024/1781, Batterieverordnung (EU) 2023/1542, Spielzeug-Verordnung (EU) 2025/2509, Detergenzien-Verordnung (EU) 2026/405
Keine Rechtsberatung. Stand: 20. Oktober 2026.