Die ESPR-Verordnung erklärt
Die ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation, EU 2024/1781) ist die Mutter-Verordnung des Digitalen Produktpasses. Wir erklären in fünf Punkten was sie regelt, wen sie betrifft und wann sie greift.
Wichtig Der DPP kommt nicht nur über die ESPR. Es gibt zwei parallele Wege: die ESPR mit priorisierten Produktgruppen (Textil, Möbel, Reifen, Stahl) und Sektor-Verordnungen mit eigener DPP-Pflicht (Batterien, Bauprodukte, Spielzeug, Waschmittel). Die Verpackungsverordnung PPWR verlangt eine Kennzeichnung, einen eigenen Pass sieht sie nicht vor. Für viele Händler kommt die Pflicht über ein Sektor-Gesetz, nicht über die ESPR direkt.
1. Was die ESPR ist
Die Verordnung (EU) 2024/1781 ist seit 18. Juli 2024 in Kraft (Art. 80). Sie ersetzt die alte Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG und ist deutlich breiter angelegt: sie kann für nahezu jede Produktkategorie konkrete Ökodesign-Anforderungen festlegen, von Langlebigkeit über Reparierbarkeit bis Recyclingfähigkeit. Das zentrale Werkzeug dafür ist der Digitale Produktpass.
Anders gesagt: die ESPR ist der Rahmen. Was konkret in welcher Kategorie gilt, kommt über sogenannte delegierte Rechtsakte pro Produktgruppe.
2. Der Arbeitsplan 2025 bis 2030
Am 16. April 2025 hat die EU-Kommission den ersten Arbeitsplan zur ESPR veröffentlicht (COM(2025) 187). Er nennt die Produktgruppen, die zuerst drankommen sollen, und nur Jahre, keine Quartale. Verbindlich ist er nicht.
- Textilien (Apparel-Fokus)
- Möbel
- Stahl und Aluminium
- Reifen
- Matratzen
- Mehrere energierelevante Produkte (Energy-related Products)
Schuhe stehen nicht auf der Liste, eine Studie dazu soll bis Ende 2027 vorliegen.
3. Was in einem DPP stehen muss
Der Pflicht-Inhalt hängt vom delegierten Rechtsakt der jeweiligen Branche ab. Typische Datenkategorien sind:
- Eindeutige Produktkennung, z. B. GTIN über GS1 Digital Link
- Material-Zusammensetzung und Faseranteile
- Besorgniserregende Stoffe, rückverfolgbar über den Lebenszyklus (Art. 7 Abs. 5)
- Reparierbarkeit, Langlebigkeit, Recyclingfähigkeit
- Hersteller, Produktionsort und -datum
- Pflege- und End-of-Life-Hinweise
Wie lange der Pass verfügbar bleiben muss, legt der Rechtsakt der Produktgruppe fest, mindestens für die erwartete Lebensdauer des Produkts (Art. 9 Abs. 2 Buchst. i). Er muss auch nach einer Insolvenz des verantwortlichen Unternehmens abrufbar bleiben (Art. 11 Buchst. e).
4. Wann es konkret greift
Pro Produktgruppe gilt: Ein delegierter Rechtsakt darf frühestens 18 Monate nach seinem Inkrafttreten gelten (Art. 4 Abs. 4). Gerechnet wird ab Inkrafttreten, nicht ab Annahme. Stand Oktober 2026:
- Batterien: Batteriepass ab 18. Februar 2027 (eigene Verordnung (EU) 2023/1542)
- Eisen und Stahl: Rechtsakt für Ende 2026 geplant
- Textilien: Rechtsakt für Ende 2027 geplant, Pflicht voraussichtlich nicht vor 2029 (Textil-Rechtsakt)
- Reifen und Aluminium: Rechtsakt für 2027 geplant
- Möbel: Rechtsakt laut Arbeitsplan 2028
- Matratzen: Rechtsakt laut Arbeitsplan 2029
Bei den geplanten Rechtsakten gilt die Pflicht jeweils frühestens 18 Monate nach Inkrafttreten. Seit 20. Juli 2026 ist das DPP-Register der Kommission in Betrieb. Es speichert Kennungen, die Passdaten bleiben beim Anbieter. Eingetragen wird erst, wenn für die Produktgruppe ein Pass Pflicht ist.
5. Was Händler jetzt tun sollten
- Lieferanten-Datenfluss aufsetzen. Faser-Anteile, Herkunftsnachweise, Zertifikate sammeln und strukturiert ablegen. Das dauert am längsten.
- Kennung klären. Verkaufst du eigene Marken, vergibst du GTINs pro Variante, dafür brauchst du einen GS1-Präfix. Verkaufst du fremde Ware, übernimmst du die GTIN des Herstellers.
- Texte mehrsprachig vorbereiten. In welchen Sprachen der Pass verfügbar sein muss, regelt der Rechtsakt der Produktgruppe.
Quellen (4)
Häufige Fragen
Was ist die ESPR?
Die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (EU 2024/1781) ist die EU-Rahmenverordnung für nachhaltige Produktgestaltung. Sie ist seit 18. Juli 2024 in Kraft und ersetzt die alte Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG.
Welche Produkte fallen unter die ESPR?
Im ersten Arbeitsplan 2025 bis 2030 sind Textilien, Möbel, Stahl, Aluminium, Reifen, Matratzen und ausgewählte energierelevante Produkte priorisiert. Schuhe stehen nicht auf der Liste.
Wann gilt die ESPR konkret für meine Branche?
Für jede Branche gibt es einen eigenen delegierten Rechtsakt. Gelten darf er frühestens 18 Monate nach seinem Inkrafttreten (Art. 4 Abs. 4 ESPR). Für Textilien plant die Kommission den Rechtsakt für Ende 2027, Pflicht wird der Pass voraussichtlich nicht vor 2029.
Brauche ich als kleiner Shopify-Händler einen DPP?
Bringst du das Produkt selbst in Verkehr, mit eigener Marke oder als Importeur, und gilt für die Produktgruppe die Pflicht: ja. Verkaufst du fremde Ware, machst du den Pass des Herstellers im Shop zugänglich (Art. 31 Abs. 2 ESPR). Ob es Erleichterungen für kleine Unternehmen gibt, legt der Rechtsakt der Produktgruppe fest.