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GS1 Digital Link: Das Identifier-System hinter dem DPP

Damit ein Digitaler Produktpass funktioniert, braucht jedes Produkt eine eindeutige ID die maschinen- und menschenlesbar ist. Die EU setzt dafür auf einen offenen Standard der seit Jahrzehnten in der Industrie etabliert ist: GS1 Digital Link.

Was GS1 Digital Link ist

GS1 ist eine globale, nicht-kommerzielle Organisation die seit den 1970er Jahren Standards für Produkt-Identifikation verwaltet. Der bekannteste ist der EAN-/UPC-Barcode auf Lebensmitteln und Konsumgütern. Die zugrundeliegende Nummer heißt GTIN (Global Trade Item Number).

GS1 Digital Link erweitert die GTIN um eine Web-URI: aus einer Zahl wird eine echte Web-Adresse, die ein QR-Code-Scanner direkt im Browser öffnen kann.

Wie eine GS1 Digital Link URI aussieht

Beispiel für eine Jacke mit der GTIN 04012345678901:

https://mapasso.de/01/04012345678901

Der Pfad /01/ ist der Application Identifier für GTIN. Zusätzliche Identifier können angehängt werden:

https://mapasso.de/01/04012345678901/10/CHARGE-A123/21/SERIAL-789
  • /01/ = GTIN
  • /10/ = Chargennummer (Batch)
  • /21/ = Seriennummer
  • /17/ = Verfallsdatum

Was ein Resolver macht

Wenn ein Kunde den QR-Code scannt, landet er auf der Digital-Link-URI. Ein Resolver entscheidet dort welche Inhalte er ausspielt. Das hängt davon ab wer die URL aufruft (Kunde, Behörde, Recycler) und welche Sprache der Browser anfragt.

Beispiel-Logik:

  • Standard-Aufruf vom Smartphone → Public-DPP-Seite in DE oder EN
  • Aufruf mit Behörden-Header → erweiterte technische Sicht inkl. Lieferketten-Details
  • Aufruf vom Recycler-Tool → Material-Composition als strukturiertes JSON
  • Maschinenlesbarer Aufruf (Content-Type: application/ld+json) → JSON-LD-Antwort

Warum die EU GS1 Digital Link gewählt hat

  1. Offen. Kein Vendor-Lock-in, jeder kann den Standard implementieren.
  2. Etabliert. GTIN ist im Handel überall bekannt, ERP- und PIM-Systeme können es schon.
  3. Maschinen- und menschenlesbar. Ein einziger QR-Code dient Endkunden, Behörden und Recyclern gleichzeitig.
  4. Skalierbar. Funktioniert für eine einzelne Marke genauso wie für globale Konzerne.

Was Shopify-Händler praktisch brauchen

  1. GS1-Prefix. Wer noch keine GTINs für eigene Produkte hat, kauft beim deutschen GS1-Office (GS1 Germany) einen Prefix. Einmalige Anmeldegebühr plus jährliche Lizenz, abhängig von Sortimentsgröße. Stand 2026 startet das bei ca. 200 Euro Anmeldung plus ca. 100 Euro pro Jahr.
  2. GTIN-Vergabe pro Variante. Jede Größe und Farbe braucht eine eigene GTIN. In Shopify als Variant-Field hinterlegt.
  3. Resolver-URL festlegen. Mapasso übernimmt das standardmäßig unter mapasso.de/01/<GTIN>, alternativ kann der Resolver auf die eigene Domain umgezogen werden.
  4. QR-Code generieren. Aus der Digital-Link-URI, drucken auf Etiketten und Anhängern.

Häufige Missverständnisse

Missverständnis 1: Der QR-Code ist der DPP. Falsch. Der QR-Code ist nur der Datenträger. Der DPP sind die strukturierten Daten dahinter.

Missverständnis 2: Ich kann meine eigene GTIN frei wählen. Falsch. GTINs müssen aus einem eigenen GS1-Prefix kommen, sonst kollidieren sie mit anderen Produkten weltweit.

Missverständnis 3: Shopify-interne SKUs reichen. Nein. SKUs sind shopintern, nicht global eindeutig. Für DPP brauchst du GTINs.

Quellen

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