Was kostet ein Digitaler Produktpass? Die ganze Rechnung für Onlinehändler
Digitaler Produktpass Kosten: GTINs, Lieferantendaten, Software, Sicherungskopie und QR-Code. Was Händler mit Fremdware zahlen und was Eigenmarken.
Kurzantwort
Was ein Digitaler Produktpass kostet, hängt vor allem an deiner Rolle. Verkaufst du fremde Ware, muss dir der Hersteller den Datenträger kostenlos liefern, und deine Kosten beschränken sich auf die Anzeige im Shop. Verkaufst du unter eigener Marke, zahlst du für Produktkennungen, Lieferantendaten, Software mit Sicherungskopie und den QR-Code auf dem Etikett, wobei die Zeit für die Lieferantendaten meist der größte Posten ist.
Stand 19.10.2026 ist laut EUR-Lex noch kein Rechtsakt nach der Ökodesign-Verordnung (ESPR) erlassen, der für eine Produktgruppe einen Pass vorschreibt. Fest steht der Batteriepass ab 18. Februar 2027, also in knapp vier Monaten. Wer heute rechnet, hat noch Zeit, die Kosten zu verteilen.
Wer die Kosten trägt: Hersteller oder Händler
Die ESPR verteilt die Pflichten nach Rollen. Den Pass stellt bereit, wer das Produkt in Verkehr bringt. Dieser Wirtschaftsteilnehmer muss Händlern eine digitale Kopie des Datenträgers oder die eindeutige Produktkennung zur Verfügung stellen, damit sie den Pass auch im Fernabsatz zeigen können. Auf Anfrage geschieht das kostenlos und innerhalb von fünf Arbeitstagen (Art. 10 Abs. 3 ESPR).
Als Händler musst du sicherstellen, dass der Pass für Kunden leicht zugänglich ist, auch im Onlineshop (Art. 31 Abs. 2 ESPR). Einen eigenen Pass für fremde Ware legst du nicht an. Diese Pflichten greifen erst, wenn der Rechtsakt für die Produktgruppe gilt.
Anders sieht es bei Eigenmarken aus. Wer Ware unter eigenem Namen oder eigener Marke in Verkehr bringt, übernimmt die Pflichten des Herstellers (Art. 34 ESPR). Dann trägst du alle Kostenblöcke aus der Tabelle unten.
Die Kostenblöcke im Überblick
| Kostenblock | Wer zahlt | Art der Kosten |
|---|---|---|
| Produktkennung, zum Beispiel GTIN | Hersteller, Eigenmarke | einmalig plus Jahresgebühr |
| Lieferantendaten beschaffen | Hersteller, Eigenmarke | vor allem Arbeitszeit |
| Pass erstellen und speichern | Hersteller, Eigenmarke | laufend, Software oder Dienstleister |
| Sicherungskopie beim Drittdienstleister | Hersteller, Eigenmarke | laufend |
| QR-Code auf Etikett oder Produkt | Hersteller, Eigenmarke | Umstellung der Druckvorlage |
| Pass im Onlineshop zeigen | alle Händler | einmalige Einrichtung |
Produktkennung: was GTINs bei GS1 Germany kosten
Jeder Pass hängt an einer eindeutigen Produktkennung. Die ESPR nennt die GTIN als mögliche Angabe, mit dem Zusatz „oder eine gleichwertige Kennung“ (Anhang III Abs. 1 Buchst. c ESPR). Vorgeschrieben ist sie damit nicht, verbreitet ist sie trotzdem, weil viele Shops und Marktplätze sie ohnehin verlangen. Hast du schon GTINs, entstehen hier keine neuen Kosten.
GS1 Germany verlangt laut Preisübersicht (gültig ab 01.01.2025, abgerufen am 19.10.2026, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer):
- SmartStarter10: 60 Euro im Jahr für 10 GTINs und eine GLN, nur bei höchstens 250.000 Euro Jahresumsatz.
- GS1 Complete mit 1.000 GTINs: einmalig 250 Euro, dazu 160 Euro im Jahr bei einem Gesamtumsatz unter 5 Mio. Euro.
Rechne mit einer GTIN pro Variante. Ein Shirt in vier Farben und fünf Größen braucht 20 GTINs und passt damit nicht mehr in SmartStarter10. Ob der Pass später je Modell, Charge oder einzelnem Stück angelegt wird, legt erst der Rechtsakt fest (Art. 9 Abs. 2 Buchst. d ESPR). Wie Kennung und Adresse zusammenhängen, steht auf unserer Seite zu GS1 Digital Link.
Lieferantendaten: der größte Posten ist Zeit
Für Textilien schlägt eine Studie des Joint Research Centre vom 13.05.2026 Inhalte wie Faserzusammensetzung, Pflegehinweise, Recycling-Angaben und besorgniserregende Stoffe vor. Verbindlich ist das noch nicht. Viele dieser Angaben liegen beim Lieferanten oder bei dessen Vorlieferanten.
Belastbare Zahlen, wie viele Stunden das pro Produkt kostet, gibt es nicht. Planbar ist der Ablauf: Anfrage an jeden Lieferanten, Rückfragen, Zertifikate prüfen, Daten im System pflegen. Ein Bestseller als Pilot zeigt dir schnell, wie lange das bei deinen Lieferanten dauert. Diese Zahl rechnest du dann auf das Sortiment hoch.
Software und Speicherung: Kosten über die Lebensdauer
Der Pass muss so lange verfügbar bleiben, wie es der Rechtsakt festlegt, mindestens für die voraussichtliche Lebensdauer des Produkts (Art. 9 Abs. 2 Buchst. i ESPR). Das gilt auch nach einer Insolvenz oder wenn du dein Geschäft aufgibst (Art. 11 Buchst. e ESPR). Speichern darfst du ihn selbst oder bei einem unabhängigen Dienstleister (Art. 11 Buchst. c ESPR).
Dazu kommt eine Pflicht, die in vielen Kostenrechnungen fehlt. Beim Inverkehrbringen musst du eine Sicherungskopie des Passes über einen unabhängigen Drittdienstleister bereitstellen (Art. 10 Abs. 4 ESPR). Welche Anforderungen diese Dienstleister erfüllen müssen, regelt ein eigener Rechtsakt, den die Kommission noch nicht erlassen hat.
Für deine Kunden muss der Zugang kostenlos sein (Art. 11 Buchst. b ESPR). Die laufenden Kosten trägst also du. Vergleiche Software deshalb nach drei Fragen: Was kostet sie pro Jahr bei deiner Produktzahl, was passiert mit veröffentlichten Pässen nach einer Kündigung, und kannst du deine Daten exportieren.
Etikett und QR-Code
Welcher Datenträger verwendet wird, wo er sitzt und wie er aussieht, legt der Rechtsakt der Produktgruppe fest (Art. 9 Abs. 2 Buchst. b und c ESPR). Teuer wird der QR-Code vor allem, wenn du Etiketten außerhalb der normalen Druckzyklen neu auflegen musst. Plane die Umstellung deshalb in eine reguläre Nachbestellung ein, sobald der Rechtsakt Position und Größe festlegt.
Förderung und Unterstützung für kleine Unternehmen
Die Mitgliedstaaten müssen kleine und mittlere Unternehmen bei der Umsetzung der Ökodesign-Anforderungen unterstützen, mindestens mit Anlaufstellen. Möglich sind auch finanzielle Hilfen und Schulungen (Art. 22 Abs. 3 ESPR). Die Kommission soll zu den Rechtsakten bei Bedarf digitale Werkzeuge und Leitlinien für KMU veröffentlichen (Art. 22 Abs. 2 ESPR). Ein konkretes deutsches Förderprogramm für den Produktpass haben wir bis 19.10.2026 nicht gefunden.
Zeitlich hilft dir die ESPR ebenfalls. Ein Rechtsakt gilt in der Regel frühestens 18 Monate nach seinem Inkrafttreten (Art. 4 Abs. 4 ESPR). Alle bekannten Termine stehen in unserem Beitrag Digitaler Produktpass ab wann.
Was du jetzt tun kannst
- Rolle klären. Liste auf, welche Produkte du unter eigener Marke verkaufst und welche fremde Ware sind. Nur für Eigenmarken trägst du die Herstellerkosten.
- GTINs zählen. Prüfe, ob jede Variante eine GTIN hat, und wähle danach das passende GS1-Paket.
- Pilot starten. Frag für einen Bestseller alle Angaben bei deinem Lieferanten an und miss die Zeit bis zum vollständigen Datensatz.
- Software vergleichen. Achte auf Jahrespreis bei deiner Produktzahl, Verfügbarkeit nach Kündigung, Datenexport und Sicherungskopie.
- Druckzyklen notieren. Halte fest, wann deine Etiketten das nächste Mal nachgedruckt werden.
- Shop vorbereiten. Kläre, wo der Pass auf der Produktseite erscheint. Wie das bei Shopify aussieht, zeigt unser Beitrag Shopify und der Digitale Produktpass.
Häufige Fragen
Muss ich als Händler für fremde Ware einen eigenen Pass bezahlen?
Nein. Der Hersteller oder Importeur stellt den Pass bereit und muss dir Datenträger oder Kennung auf Anfrage kostenlos liefern (Art. 10 Abs. 3 ESPR). Du sorgst dafür, dass Kunden den Pass im Shop finden (Art. 31 Abs. 2 ESPR).
Brauche ich zwingend GTINs von GS1?
Die ESPR nennt die GTIN oder eine gleichwertige Kennung als mögliche Angabe (Anhang III ESPR). Welche Kennung für deine Produktgruppe gilt, regelt der Rechtsakt. Viele Händler haben GTINs ohnehin schon für Marktplätze.
Darf ich Kunden für den Zugang zum Pass etwas berechnen?
Nein. Der Zugang für Kunden und andere Berechtigte ist kostenlos (Art. 11 Buchst. b ESPR).
Was kostet die Sicherungskopie?
Das hängt vom Dienstleister ab. Die Anforderungen an diese Dienstleister legt ein Rechtsakt fest, der noch nicht erlassen ist. Frag deinen Software-Anbieter, ob und wie er die Sicherungskopie nach Art. 10 Abs. 4 ESPR abdeckt.
Lohnt es sich, schon vor der Pflicht zu starten?
Für Eigenmarken meist ja, weil die Lieferantendaten Vorlauf brauchen und sich die Kosten so über mehrere Saisons verteilen. Für reine Händler mit Fremdware reicht es, den Shop vorzubereiten und die Hersteller früh anzufragen.
Was Händler heute schon beachten müssen, steht bei den Pflichten für den Digitalen Produktpass im Onlinehandel.
Was Mapasso kostet
Mapasso ist eine Shopify-App für Digitale Produktpässe. Es gibt einen kostenlosen Plan mit fünf Pässen und drei bezahlte Pläne (Stand 19.10.2026). Die aktuellen Preise stehen auf der Seite Preise. Wie ein fertiger Pass aussieht, zeigt der Muster-Pass. Fragen zu deiner Rechnung beantworten wir über das Kontakt-Formular.
Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.
Quellen (7)
- ESPR-Verordnung (EU) 2024/1781, deutscher Text auf EUR-Lex (Art. 4, 9, 10, 11, 22, 31, 34, Anhang III): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32024R1781
- ESPR, Dokumentinfo mit erlassenen Folgerechtsakten, abgerufen 19.10.2026: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/ALL/?uri=CELEX:32024R1781
- Batterieverordnung (EU) 2023/1542, konsolidierte Fassung vom 13.08.2026, Art. 77 Abs. 1: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:02023R1542-20260813
- GS1 Germany, Preisübersicht (gültig ab 01.01.2025): https://www.gs1-germany.de/preise/
- GS1 Germany, SmartStarter10: https://www.gs1-germany.de/produkte-services/smart-starter-10/
- Joint Research Centre, Studie zum Textil-DPP vom 13.05.2026: https://susproc.jrc.ec.europa.eu/product-bureau/sites/default/files/2026-05/Textiles_DPP_20260513.pdf
- EU-Kommission, Digitaler Produktpass: https://single-market-economy.ec.europa.eu/single-market/digital-product-passport_en