MAPASSO
Wissen — Regulatorik

ESPR Verordnung verständlich erklärt

Die ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation, EU 2024/1781) ist die Mutter-Verordnung des Digitalen Produktpasses. Wir erklären in fünf Punkten was sie regelt, wen sie betrifft und wann sie greift.

Wichtig

Der DPP kommt nicht nur ueber die ESPR. Es gibt zwei parallele Wege: die ESPR mit priorisierten Produktgruppen (Textil, Moebel, Reifen, Stahl) und Sektor-Verordnungen mit eigener DPP-Pflicht (Batterien, Verpackung, Bauprodukte, Spielzeug, Waschmittel). Fuer viele Haendler kommt die Pflicht ueber ein Sektor-Gesetz, nicht ueber die ESPR direkt.

1. Was die ESPR ist

Die Verordnung (EU) 2024/1781 ist seit 19. Juli 2024 in Kraft. Sie ersetzt die alte Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG und ist deutlich breiter angelegt: sie kann für nahezu jede Produktkategorie konkrete Ökodesign-Anforderungen festlegen, von Langlebigkeit über Reparierbarkeit bis Recyclingfähigkeit. Das zentrale Werkzeug dafür ist der Digitale Produktpass.

Anders gesagt: die ESPR ist der Rahmen. Was konkret in welcher Kategorie gilt, kommt über sogenannte delegierte Rechtsakte pro Produktgruppe.

2. Der Working Plan 2025-2030

Am 16. April 2025 hat die EU-Kommission den ersten ESPR Working Plan adoptiert. Er legt fest welche Produktkategorien zuerst reguliert werden:

  • Textilien (Apparel-Fokus)
  • Möbel
  • Stahl und Aluminium
  • Reifen
  • Matratzen
  • Mehrere energierelevante Produkte (Energy-related Products)

Bewusst zurückgestellt wurden: Schuhe, Waschmittel, Farben, Schmierstoffe, Chemikalien. Der Working Plan wird 2028 erstmals überprüft.

3. Was in einem DPP stehen muss

Der Pflicht-Inhalt hängt vom delegierten Rechtsakt der jeweiligen Branche ab. Typische Datenkategorien sind:

  • Eindeutige Kennzeichnung über GS1 Digital Link (GTIN-basiert)
  • Material-Zusammensetzung und Faseranteile
  • Substances of Concern (Pflicht zur Offenlegung gemäß REACH/SCIP)
  • Reparierbarkeit, Langlebigkeit, Recyclingfähigkeit
  • Hersteller, Produktionsort und -datum
  • Pflege- und End-of-Life-Hinweise

Artikel 14 der ESPR verlangt zudem dass die Daten mindestens 10 Jahre nach dem letzten Inverkehrbringen verfügbar bleiben.

4. Wann es konkret greift

Pro Kategorie gilt die Regel: Adoption + 18 Monate = Pflicht. Aktueller Stand (Juni 2026):

  • Batterien ab 18. Februar 2027 (eigene Verordnung EU 2023/1542)
  • Textil-Rechtsakt Adoption Q2 2027, Pflicht Ende 2028 oder Anfang 2029
  • Möbel Rechtsakt-Adoption ab 2028
  • Reifen, Stahl, Aluminium 2027 oder 2028
  • Matratzen ab 2029
  • Elektronik 2028 bis 2029

Zusätzlich geht am 19. Juli 2026 die EU Central DPP Registry live. Sie ist die zentrale Meldeinfrastruktur die Behörden für Marktüberwachung nutzen werden.

5. Was Händler jetzt tun sollten

  1. Lieferanten-Datenfluss aufsetzen. Faser-Anteile, Herkunftsnachweise, Zertifikate sammeln und strukturiert ablegen. Das dauert am längsten.
  2. Eindeutige IDs vergeben. GS1-Prefix kaufen wenn noch nicht vorhanden, GTINs pro Variante vergeben.
  3. Tool wählen das mitwächst. Selbstgebaut ist Wartungs-Hölle, generische DAM-Lösungen sind nicht ESPR-fit. Eine DPP-spezialisierte Lösung wie Mapasso skaliert mit dir mit.
  4. Texte mehrsprachig vorbereiten. Public-DPP-Pages werden in mindestens den Hauptsprachen der Zielmärkte erwartet, perspektivisch alle EU-Sprachen.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist die ESPR?

Die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (EU 2024/1781) ist die EU-Rahmenverordnung für nachhaltige Produktgestaltung. Sie ist seit 19. Juli 2024 in Kraft und ersetzt die alte Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG.

Welche Produkte fallen unter die ESPR?

Im ersten Working Plan 2025-2030 sind Textilien, Möbel, Stahl, Aluminium, Reifen, Matratzen und ausgewählte energierelevante Produkte priorisiert. Schuhe und Chemikalien wurden zurückgestellt.

Wann gilt die ESPR konkret für meine Branche?

Für jede Branche gibt es einen eigenen delegierten Rechtsakt. Erst mit dessen Adoption beginnt der Countdown, in der Regel 18 Monate bis zur Pflicht. Für Textil heißt das: Adoption Q2 2027, Pflicht Ende 2028.

Brauche ich als kleiner Shopify-Händler einen DPP?

Wenn du in der EU verkaufst und dein Produkt zu einer pflichtigen Kategorie gehört: ja. Die Verordnung sieht aktuell keine Umsatz-Schwelle für Kleinst-Verkäufer vor, das wird im delegierten Rechtsakt pro Branche geklärt.

Bereit für deinen Digitalen Produktpass?

Demo in 30 Minuten. Kein Vertrag. Keine Kreditkarte. Nur eine ehrliche Antwort ob Mapasso für dich passt.